Archiv für November 2008

Abgetaucht: Schwimmübungen im Meer chinesischer Zeichen

Donnerstag, 20. November 2008

Wie man mir vorsichtig, aber doch bestimmt mitteilte, scheint sich ein Eintrag mit dem (zugegebenermaßen etwas reißerischen) Titel “U-Bahn-Tunnel in Hangzhou eingestürzt” nicht besonders dafür zu eigenen, nach langer Abstinenz ein beruhigendes Lebenszeichen abzusetzen - daher wollte ich es diesmal mit der Metapher eines im Meer chinesischer Zeichen ertrinkenden Studenten versuchen…

 
Chinesische Zeichen überall
 

Seit nunmehr zehn Wochen lerne ich während zwanzig Stunden pro Woche Chinesisch, büffle zusammen mit Koreanern und Mexikanern Grammatik (语法, yǔfǎ), lausche im Hörverständnis-Kurs (听力, tīnglì) meinem amerikanischen Klassenkameraden, parliere im Sprechtraining (口语, kǒuyǔ) mit einer Französin und einem Belgier elegant auf Französisch und entziffere im Lesekurs (阅读, yuèdú) ebenso wie meine Kommilitonen aus Schweden, Australien und Jemen Unmengen an Zeichen. Wenn der Unterricht vorbei ist, geht es ans Vokabeln lernen, die alle paar Tage in einem Diktat abgeprüft werden. Offen gestanden: Ich wurde am Anfang einfach zu hoch eingestuft.

In meinem Stundenplan ist das Wochenende frei, doch auch für sowas gibt es hier Abhilfe: samstags ein bilinguales Topologie-Seminar (ein Vortrag gemeinsam mit Sina steht im Dezember an), sonntags Mathehausaufgaben für Algebraische Topologie - die Vorlesung wird zwar auf Chinesisch gehalten, glücklicherweise aber in Englisch notiert!

Und so schwimme ich weiterhin vergnügt im riesigen chinesischen Ozean, mich von Zeit zu Zeit an einen Torus (so sagt man in der Topologie zu einem Schwimmring) oder ein anderes mathematisches Objekt klammernd…

U-Bahn-Tunnel in Hangzhou eingestürzt

Sonntag, 16. November 2008

Vergleicht man die chinesische Millionenstadt Hangzhou, in der ich gerade studiere, mit ihren Nachbarstädten Shanghai und Nanjing, so fällt eines besonders auf: Die fehlende U-Bahn!

Statt in unterirdischen Röhren schnell von einem Ende der Stadt zum anderen befördert zu werden oder gar mit dem Transrapid mit nicht weniger als 400 Sachen zum Flughafen zu brausen, muss ich mich hier in überfüllte Busse drängen, die oftmals eine knappe Stunde unterwegs sind, bis sie ihr Ziel erreichen. Zwar sind Taxis eine nicht allzu teure Alternative, doch zur Rush-Hour, besonders mittags und gegen Abend, ist man oft schneller mit dem Fahrrad am Ziel, als man ein freies Taxi gefunden hat…

Doch jetzt wird Abhilfe geschaffen: Seit nunmehr 2006 wird im Untergrund ein Tunnelsystem angelegt, in dem Ende 2011 die ersten Züge fahren sollen. Langfristig soll die Hangzhou Metro (杭州地铁, Hángzhōu dìtiě) mit nicht weniger als acht Linien ein Streckennetz von 278 km Länge befahren.

Doch die Bauarbeiten haben gestern einen schweren Rückschlag erlitten: Ein unter einer Straße verlaufender Tunnel der Linie 1 stürzte auf einer Länge von rund 75 Metern ein und riss dabei mindestens drei Menschen in den Tod, weitere 17 werden aktuell noch vermisst, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua soeben vermeldete.