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Abgetaucht: Schwimmübungen im Meer chinesischer Zeichen

Donnerstag, 20. November 2008

Wie man mir vorsichtig, aber doch bestimmt mitteilte, scheint sich ein Eintrag mit dem (zugegebenermaßen etwas reißerischen) Titel “U-Bahn-Tunnel in Hangzhou eingestürzt” nicht besonders dafür zu eigenen, nach langer Abstinenz ein beruhigendes Lebenszeichen abzusetzen - daher wollte ich es diesmal mit der Metapher eines im Meer chinesischer Zeichen ertrinkenden Studenten versuchen…

 
Chinesische Zeichen überall
 

Seit nunmehr zehn Wochen lerne ich während zwanzig Stunden pro Woche Chinesisch, büffle zusammen mit Koreanern und Mexikanern Grammatik (语法, yǔfǎ), lausche im Hörverständnis-Kurs (听力, tīnglì) meinem amerikanischen Klassenkameraden, parliere im Sprechtraining (口语, kǒuyǔ) mit einer Französin und einem Belgier elegant auf Französisch und entziffere im Lesekurs (阅读, yuèdú) ebenso wie meine Kommilitonen aus Schweden, Australien und Jemen Unmengen an Zeichen. Wenn der Unterricht vorbei ist, geht es ans Vokabeln lernen, die alle paar Tage in einem Diktat abgeprüft werden. Offen gestanden: Ich wurde am Anfang einfach zu hoch eingestuft.

In meinem Stundenplan ist das Wochenende frei, doch auch für sowas gibt es hier Abhilfe: samstags ein bilinguales Topologie-Seminar (ein Vortrag gemeinsam mit Sina steht im Dezember an), sonntags Mathehausaufgaben für Algebraische Topologie - die Vorlesung wird zwar auf Chinesisch gehalten, glücklicherweise aber in Englisch notiert!

Und so schwimme ich weiterhin vergnügt im riesigen chinesischen Ozean, mich von Zeit zu Zeit an einen Torus (so sagt man in der Topologie zu einem Schwimmring) oder ein anderes mathematisches Objekt klammernd…

Blogging – The Chinese Way

Dienstag, 9. September 2008

Schon vor einer ganzen Weile in Hangzhou gelandet (vor elf kurzen Tagen, um genau zu sein), voller Eifer gewesen, ein erstes Lebenszeichen nach Hause zu schicken, doch dann:

Erst dauern die Formalitäten ein paar Tage, dann endlich Internet im Zimmer – doch nichts funktioniert. Nach einigen Stunden kommt ein Techniker, den ich ebenso wenig verstehe wie alle Anderen, weil er ebenso wenig Englisch und ich nur unmerklich mehr Chinesisch beherrsche. Wenigstens weiß ich jetzt, dass mir ein kleiner Zettel fehlt, den mir nie jemand gegeben hat; wahrscheinlich hat mir jemand erklärt, ich müsse ihn holen, doch verstanden habe ich das wohl nicht, stattdessen lieber freundlich genickt und mein weniges Chinesisch eingesetzt: “Hao, xiexie!”, “Alles klar, Danke!”.
Ein paar chinesische Zettel später ist dann auch schon mehr klar, ich surfe erstmals im chinesischen Internet, habe nicht vergessen, dass ich einen Blogeintrag schreiben wollte – und bleibe erstmal an der chinesischen Internetzensur hängen. Sogar die Wikipedia ist zugänglich, nicht aber unser gemeinsamer China-Blog. Meine Versuche, mich aus dem Uninetz zu tunneln, schlagen ebenfalls fehl: Jedes Mal bricht die Verbindung komplett zusammen, lande ich auf einer Seite mit großen, roten chinesischen Zeichen, die irgendwie recht unfreundlich aussehen.

Ein paar Tage später fasse ich mir ein Herz, setze meinen eigenen Blog auf (bisher wird er nicht geblockt), bin wieder frohen Mutes – bis das Internet im Wohnheim den Geist aufgibt, meine Daten gefangen sind in meinem überhitzten Laptop.

Seit ein paar Stunden scheint alles wieder zu funktionieren…